von
Frank Richert, GEO mbH, Enge-Sande
Jede Diskussion um Energie verwandte Themen wie z.B. Luftverschmutzung, Klimaveränderung oder Versorgungssicherheit erwecken das Thema der zukünftigen Energieträger. In diesem Zusammenhang fällt immer öfter der Begriff Wasserstoff oder Wasserstoffwirtschaft. Die Idee der Wasserstoffwirtschaft ist an sich nicht neu und wurde zuerst im Zusammenhang mit Atomstrom erwähnt. Etwas später kam die Idee der solaren Wasserstoffwirtschaft hinzu. Wasserstoff ist genau wie Elektrizität ein Energieträger, der mit hoher Effizienz und null oder nahezu null Emissionen genutzt werden kann. Zur Zeit findet Wasserstoff größtenteils Anwendung in der chemischen Industrie. Für den Energiesektor stellt Wasserstoff heutzutage noch keinen bedeutenden Energieträger dar. Wasserstoff lässt sich auf verschiedenen Wegen herstellen und kann die herkömmlichen Energieträger in allen ihren Anwendungen ersetzen. So kann Wasserstoff im mobilen Bereich als Energieträger für den Transport, im stationären Bereich für die Erzeugung von Wärme und Elektrizität eingesetzt werden und im portablen Bereich die Versorgung von z. B. Notebooks übernehmen. Fast alle großen Autohersteller entwickeln zur Zeit Fahrzeuge, die mit Wasserstoff betrieben werden können und gehen von einer Markteinführung der Wasserstofffahrzeuge im Jahr 2004 bis 2010 aus. Eine nahezu identische Entwicklung findet im Bereich der Hausenergieversorgung statt, wo führende deutsche Unternehmen die Markteinführung der Brennstoffzelle vorbereiten. Daneben wird Wasserstoff von der Verkehrswirtschaftlichen Energiestrategie, einem Zusammenschluss mehrer Automobilkonzerne, Mineralölunternehmen und der deutschen Regierung, langfristig als der wichtigste Energieträger der Zukunft für den Transportsektor gesehen. Neben der Zukunftsaussichten für Wasserstoff, ist Wasserstoff als alternative Energieableitung vom Windpark in Zeiten knapper Netzkapazitäten ein weiteres attraktives Kriterium. So kann der im Windpark erzeugte elektrische Strom über die Elektrolyse unter der Zunahme von Wasser benutzt werden, um Wasserstoff zu erzeugen. Der Wasserstoff kann dann entweder über Pipelines oder netzungebunden mit Schiffen ans Festland transportiert werden. Somit besteht neben der Anbindung an das elektrische Netz und der damit einhergehenden Probleme wie Netzkapazität, Ausbau der Netzkapazitäten, Genehmigung von Kabeln im Wattenmeer und Zeitbedarf für den Netzausbau eine weitere Möglichkeit die im Offshore Windpark erzeugte Energie abzuführen. Zudem werden während der Erzeugung von Wasserstoff auf Basis von Elektrolyse und Windkraft im Gegensatz zu anderen Wasserstoffherstellungsverfahren keine CO2 Emissionen verursacht. Vor diesem Hintergrund hat GEO eine Studie in Auftrag gegeben.
Sinn und Zweck dieser Studie ist es zu untersuchen, ob Kriterien existieren, die eine Durchführung der Offshore Wasserstoffproduktion unmöglich erscheinen lassen. Dazu wurde eine Grobauslegung und eine grobe Kostenkalkulation durchgeführt, um konzeptionelle, technische und wirtschaftliche Aspekte des Konzeptes mit in die Untersuchung einzubeziehen.
Durchgeführt wurde die Untersuchung an einem modellhaften Offshore Windpark, um die grundsätzlichen relevanten Rahmenbedingungen festzulegen. Von diesem Offshore Windpark ausgehend wurden auf Basis der Elektrolyse zwei Varianten zur Wasserstoffproduktion untersucht. Die erste Variante sieht den Transport des erzeugten Wasserstoffs über eine Hochdruckwasserstoffpipeline an Land vor. In einer weiteren „Pipeline-Variante“ wurde eine anschließende Verflüssigung des Wasserstoff an Land miteingeschlossen. Im Gegensatz zur „Druckgaspipeline - Variante“ wurde bei der zweiten Variante die Offshore-Verflüssigung des Wasserstoffs miteinbezogen. Das bedeutet, dass der erzeugte Wasserstoff vor dem Transport auf der Offshore Plattform verflüssigt wird. In Abbildung 1 ist die prinzipielle Unterteilung der untersuchten Varianten dargestellt.

Abb.
1: Untersuchte Varianten der Offshore Wasserstofferzeugung.
Da
die Möglichkeit besteht den flüssigen Wasserstoff über unterschiedliche
Transportmittel an Land zu transportieren, erfolgte eine Unterteilung der „ Offshore
- Flüssigwasserstoff - Variante“ in drei weitere Varianten. Untersucht wurden
in diesem Zusammenhang der Transport des flüssigen Wasserstoffs in Containern
auf Containerschiffen, der Transport mit Spezialschiffen, sogenannten Barges wie
sie für das Euro – Quebec Projekt entwickelt wurden und der Transport des flüssigen
Wasserstoffs mit Tankschiffen.
Die
Elektrolyse ist ein Verfahren, bei dem Hilfe von elektrischer Energie Wasser in
seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Wie in Tabelle 1 zu
sehen ist, beträgt der Anteil der Elektrolyse an der weltweiten
Wasserstoffproduktion gerade 1 %. Den weitaus größten Anteil an der
Wasserstoffproduktion hat die Reformierung von Erdgas gefolgt von der
Wasserstoffgewinnung aus Schweröl. Desweiteren kann aus der Tabelle entnommen
werden, dass die derzeitigen Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff mit
Ausnahme von der Elektrolyse auf fossilen Energieträgern beruhen. Das bedeutet,
dass bei der Herstellung von Wasserstoff auf Basis dieser Verfahren CO2 entsteht
und kein Beitrag zur globalen Senkung der CO2-Emissionen geleistet wird. Die
Herstellung von Wasserstoff mit Hilfe der Elektrolyse bleibt nur dann CO2-frei,
wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien bereitgestellt wird, wie es
der Fall bei der Wasserstoffproduktion in Offshore Windparks ist. Der so
erzeugte Wasserstoff wird als solarer Wasserstoff bezeichnet.
Tab.
1: Wasserstofferzeugung weltweit
|
Prozess |
Anteil
[%] |
|
Erdgasreformierung |
41 |
|
Partielle
Oxidation von Schwerölen |
21 |
|
Benzin-Reformierung |
10 |
|
Pyrolyse
von Kohle |
17 |
|
Kohlevergasung |
4 |
|
Wasserelektrolyse |
1 |
|
Andere
Verfahren |
6 |
Quelle:
ifmo 1999
Ausgegangen
wird bei der Auslegung und Berechnung von einem Offshore Windpark mit einer
elektrischen Leistung von 400 MW und einer Entfernung zur Küste von 60 km. Die
Elektrolyseanlage wird auf einer Offshore Plattform eingerichtet und ist modular
aus den zur Zeit größten verfügbaren Elektrolyseuren aufgebaut. Die
Wasserversorgung der Elektrolyseure erfolgt über eine
Meerwasserentsalzungsanlage. Vor dem Hintergrund der elektrischen Leistung des
Windparks, der zusätzlichen elektrischen Verbraucher und der verfügbaren
Elektrolyseurgröße ergibt sich ein Bedarf von ca. 100 Elektrolyseeinheiten. Für
den Transport des Wasserstoffs in den „Pipeline-Varianten“ wird eine
Wasserstoffpipeline mit einem Durchmesser von ca. 20 cm benötigt. Der gasförmige
Wasserstoff wird für den Transport in der Pipeline auf den erforderlichen
Transportdruck durch einen Kompressor gebracht.
Für
die zusätzliche Verflüssigung des Wasserstoffs unter Offshore Bedingungen muss
berücksichtigt werden, dass die Verflüssigungsanlagen einen hohen Raumbedarf
sowie einen hohen Bedarf an elektrischer Energie haben, die ebenfalls durch den Offshore
Windpark zur Verfügung gestellt wird und dann aber verglichen mit den GH2
Varianten bei der Wasserstoffproduktion fehlt. Es werden Verflüssigungsanlagen
benötigt, die eine Kapazität von ca. 156 t/d haben. Aufgrund der Anforderungen
der Komponenten in den betrachteten Varianten, kommt es je nach Variante zu
einer unterschiedlichen Ausgestaltung der Offshore Plattform, womit auch die
Kosten für die Plattform unterschiedlich ausfallen können, da im wesentlichen
Fläche und zu tragendes Gewicht für die Investitionskosten einer Plattform
entscheidend sind. Beispielhaft ist der folgenden Abbildung die Anordnung der
Komponenten für die Pipeline-Variante dargestellt.
Abb.
2: Offshore Plattform für die Pipeline-Variante.
Die Berechnung der Wasserstoffgestehungskosten aus den oben erläuterten Varianten ergibt, dass die Variante mit Druckgaspipeline die geringsten Gestehungskosten erzielt. Die Pipeline Variante bleibt sogar mit anschließender onshore Verflüssigung unter den Gestehungskosten der beiden Offshore Verflüssigung Varianten. Mehr als das doppelte gemessen an den Gestehungskosten der Pipeline Variante betragen die Gestehungskosten der Container Variante. Die günstigere der beiden Offshore Verflüssigung Varianten ist die Variante, die Barges zum Transport des erzeugten Wasserstoffs einsetzt. Nicht miteingeschlossen in die Berechnung der Gestehungskosten ist die Variante mit dem Tankerschiff, da diese durch die hohen Investitionen für die Schiffe und die Infrastruktur sowie durch die für diese Transportart geringe Menge an Transportaufkommen in den Gestehungskosten über den anderen Alternativen liegen. Bei diesem Vergleich muss erwähnt werden, dass die vier in Abbildung 3 dargestellten Varianten nicht direkt miteinander verglichen werden können, weil die Varianten die Anlandung von Wasserstoff in unterschiedlicher Form und an unterschiedlichen Orten berücksichtigen.
Abb.
3: Relative Wasserstoffgestehungskosten der untersuchten Varianten.
Auch
der Vergleich mit konventionellen Treibstoffen wie Diesel oder Benzin kann nicht
ohne Einschränkung gemacht werden, da berücksichtigt werden muss, dass die
Kosten für den Wasserstoff keine Steuern und Kosten für den Transport bis zur
Tankstelle enthalten. Ferner gilt es in diesen Vergleich den bezogen auf einen
Ottomotor besseren Wirkungsgrad einer Brennstoffzelle aber auch die zur Zeit höheren
Anschaffungskosten eines mit Wasserstoff betriebenen Autos miteinzubeziehen.
Mit
Blick auf die konzeptionelle und technische Durchführbarkeit ist die Studie bei
keiner der untersuchten Varianten auf Ausschlusskriterien gestoßen, die eine
praktische Umsetzung unrealisierbar machen würden. Offene Fragen bestehen
allerdings weiterhin insbesondere bei:
den
gesetzlichen Regelwerken hinsichtlich Transport und der Wasserstofferzeugung
Offshore,
bei
der Kapazität von Verflüssigern und Elektrolyseuren und
bei
der Offshore Verladung von Barges und Containern.
Es
existieren keine Verflüssiger mit der hier erforderlichen Größe. Die weltweit
größte Verflüssigungsanlage stand in Sacramento und hatte eine Kapazität von
54 t/d LH2. Das Fehlen größerer Anlagen ist nicht auf technische Probleme zurückzuführen,
sondern in der geringen Nachfrage an flüssigem Wasserstoff begründet. Zur Zeit
werden in Japan im Rahmen eines Forschungsprojektes Verflüssiger mit einer
Kapaziät von 300 t LH2/d untersucht. Elektrolyseanlagen existieren ebenfalls
nicht in der benötigten Größenordnung. Die zur Zeit größte Anlage hat eine
Leistungsaufnahme von 156 MW. Aufgrund der modularen Aufbauweise dieser
Technologie kann durch Hinzufügen weiterer Elektrolyseeinheiten die
erforderliche Größe erreicht werden.
Im
Bereich des Transports von Gasen und auch von Wasserstoff in Pipelines gibt es
weltweit Erfahrungen, allerdings ist noch keine Wasserstoffpipeline Offshore
verlegt worden. Aufgrund des großen Erfahrungsschatzes mit dem Gastransport,
z.B. Erdgas unter onshore und Offshore Bedingungen, wird der Transport von
Wasserstoff in einer Offshore Wasserstoffpipeline als technisch möglich
angesehen. Problematischer gestaltet sich hingegen der Transport von flüssigem
Wasserstoff mit Schiffen. Neben der Errichtung einer Anlege- und Verladestelle
an der Plattform muss auf der Plattform ein Zwischenlager für den erzeugten
Wasserstoff installiert werden, da in Fällen von starkem Seegang und schlechtem
Wetter gerade in Zeiten einer hohen elektrischen Energiegewinnung und somit
einer gleichzeitig hohen Wasserstoffproduktion zeitweise kein Schiff anlegen
kann, um den erzeugten Wasserstoff in den nächsten Hafen zu transportieren.
Die
Studie hat keine Kriterien entdeckt die gegen eine Wasserstoffproduktion in
einem Offshore Windpark sprechen. Allerdings gibt es offene Fragestellungen, die
durch weitere Untersuchungen geklärt werden müssen, bevor es zu einer
Umsetzung eines solchen Projektes kommt. Für die Zukunft gilt es daher auf
Basis der Ergebnisse dieser Studie detailliertere Untersuchungen anzufertigen,
die offenen Fragestellungen zu bearbeiten und die Entwicklung der
Wasserstofftechnologien gemeinsam mit öffentlichen und wissenschaftlichen
Institutionen voranzutreiben, da die grundsätzliche Machbarkeit dieses
Vorhabens gegeben ist. Die GEO mbH hat dazu eine Wasserstoffstrategie entwickelt
und ist derzeit mit der Planung der in Abbildung 4 dargestellten Vorhaben beschäftigt.
Beginnend
mit der Anfertigung weiterer Studien, die Planung kleinerer
Wind-Wasserstoffvorhaben an Land über die H2 Notstromversorgung eines Offshore
Windparks werden praktische Erfahrungen gesammelt und Wissen hinzu gewonnen.
Dieser Wissens- und Erfahrungszuwachs ist notwendig und sinnvoll um
Planungsfehler bei weiter entfernten Offshore Wind-Wasserstoffprojekten, wie
z.B. das Projekt H2-20, das die Wasserstoffproduktion und den
Wasserstofftransport in bereits bestehenden Pipelines vorsieht, zu vermeiden.

Abb.
4: Planungsvorhaben der GEO mbH.