Grußwort des Universitätspräsidenten

von Prof. Dr. Hartwig Donner

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich begrüße Sie sehr herzlich zu diesem Workshop an der Universität Lüneburg. Die Überschwemmungen der letzten Wochen haben die Aktualität des Klimaschutzes deutlich vor Augen geführt. Allein die Möglichkeit anthropogener Klimaveränderungen erfordert deutliche Vorsorgemaßnahmen. Es herrscht parteienübergreifende Einigkeit über die Notwendigkeit einer klimaschonenderen Energieversorgung. Der Einsatz erneuerbarer Energien trägt maßgeblich zu Klimaschutz bei.

Entgegen dem allgemeinen Rezessionstrend boomt die Windkraftbranche. Die erreichte Wirtschaftskraft und das Arbeitsbeschaffungspotential dieser Branche garantieren ihren Bestand auch über politische Wechsel hinweg. Gerade wurde die Marke von 10.000 Megawatt installierter Windenergieleistung in Deutschland überschritten. In einem durchschnittlichen Jahr können die bereits installierten 13.000 Anlagen bis zu 18 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspricht bereits 10 Prozent des in Deutschland durch Kernenergie produzierten Stroms. Mit dieser Strommenge können rund 14 Prozent der Haushalte in Deutschland mit Strom versorgt werden. Im Küstenland Schleswig Holstein deckt Windenergie bereits 25% des Strombedarfs. Der Wachstumstrend wird sich aller Voraussicht nach mit großen Offshore-Windparks fortsetzen. Weitere innovative Formen der regenerativen Energieerzeugung wie Photovoltaik, Solarkollektoren, Biomassenutzung, Geothermie und Wellenenergie reifen heran und erleben teilweise bereits ein ähnliches Wachstum.

Die Erzeugung regenerativer Energie benötigt Fläche. Insbesondere die an atmosphärischer und Meeresenergie reichen Küstenregionen werden von dem erst vor wenigen Jahren eingesetzten Strukturwandel völlig überrascht. Alles deutet darauf hin, dass der Boom der Onshore-Windenergie in den letzten 10 Jahren erst der Beginn eines durchgreifenden Strukturwandels in den Küstenregionen, in Deutschland, aber auch international, sein wird. Nutzungs- und ökologische Konflikte zeigen, dass ein solcher Strukturwandel umweltwissenschaftlicher Vorbereitung und Begleitung bedarf. Es müssen v.a. Werkzeuge und Bausteine der Verträglichkeitsprüfung, Folgenbewertung und Risikokommunikation erarbeitet werden.

Die Entwicklung zukunftsfähiger Werkzeuge zur Integration regenerativer Energieerzeugung in Umwelt und Nutzungsmuster der Küstenregionen erfordert eine innovative und interdisziplinäre Herangehensweise. Ginge es allein um naturwissenschaftliche Fragen der Meeresumwelt oder des Küstenschutzes, wären diese Aufgaben eben so gut oder besser in den bewährten Instituten der Küstenforschung in Kiel, Rostock, Wilhelmshaven oder Hamburg aufgehoben. Hier geht es aber nicht allein um Meeresbereiche oder die Land/Wassergrenze, sondern um zugleich natur- planungs- rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fragen von Regionen, die sowohl Wasserflächen umfassen, als auch weit ins Landesinnere hineinreichen. Die Universität Lüneburg bietet wie kaum eine andere Forschungsinstitution das passende umweltwissenschaftliche und interdisziplinäre Umfeld, um entsprechende Fragestellungen zu bearbeiten. Der Forschungsschwerpunkt „Coastal Energy Management“ ist nicht zuletzt deshalb an der Universität Lüneburg hervorragend angesiedelt, weil er sich mit Bestrebungen für einen neuen Studiengang „Energiemanagement“ trifft.

Coastal Engergy Management erfordert nicht nur Werkzeuge, sondern auch Fachleute, die in der Lage sind, entsprechende Strukturwandlungsprozesse zu leiten und zu begleiten. Die Universität Lüneburg bildet solche Fachleute aus. Insbesondere die umweltwissenschaftlichen Studiengänge und der geplante Studiengang Energiemanagement sollen im Rahmen neuartiger Lehrforschungskonzepte am geplanten Forschungsschwerpunkt „Coastal Energy Management“ partizipieren.

Die internationale Ausrichtung des Workshops (2 ausländische Referenten, 1 Vortrag über Offshore-Potentiale in Übersee) entspricht der internationalen Bedeutung des Themas und der internationalen Ausrichtung der Universität. In Zukunft soll der Anteil ausländischer Studierender sowie der Anteil deutscher Absolventen mit Befähigung zum Einsatz im Ausland weiter angehoben werden. Deutschland mit seiner hohen Dichte regenerativer Energieerzeugung an der Küste und seinem vergleichsweise hohen Anspruchsniveau im Natur- und Umweltschutz bietet besonders günstige Voraussetzungen für ein international beispielgebendes „Coastal Energy Management“.

Alles spricht dafür, dass Coastal Energy Management einem drängenden gesellschaftlichen Bedarf entgegenkommt. Bevor dieser Bedarf wissenschaftlich zufriedenstellend gedeckt werden kann, bedarf es aber noch einiger Arbeit. Der Workshop soll u.a. dazu dienen, die Prinzipien eines „Coastal Energy Managements“ als innovativen Weg zur nachhaltigen Integration regenerativer Energieerzeugung an der Küste zu diskutieren. Ich danke der Volkswagenstiftung für die Mittelbereitstellung zur Realisierung dieses Workshops und wünsche Ihnen einen anregungsreichen Tag.

 

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